Sonntag, 28. April 2013

Die Rothemden-Proteste 2010 - eine persönliche Chronik - Teil 4: 21. - 30. April

Links:
Die Rothemden-Proteste - Teil 1: Prolog und März 2010 - Phan Fa-Brücke
Die Rothemden-Proteste - Teil 2: 01. - 17. April - die gescheiterte Niederschlagung
Die Rothemden-Proteste - Teil 3: 18. - 20. April - die Barrikade und der Aufmarsch der Sicherheitskräfte


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Die Herrschaft des Mobs


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21. April

Gewalttätige Ausschreitungen





Abends, meistens mit Beginn der Dämmerung, versammelte sich in der Silom Road in der Nähe der U-Bahnstation/Kreuzung Sala Daeng eine größere Menschenmenge, die sogenannte Silom-Lovers-Group, um gegen die Rothemden zu protestieren. Die Gruppe bestand am Anfang überwiegend aus Anwohnern und betroffenen Geschäftsinhabern. Mit der Zeit mischten sich immer mehr Multi-Coloured- und Gelbhemden unter die Demonstranten und die Gruppe wurde mit jedem Tag größer. Schließlich schlossen sich den Demonstranten auch Gruppen von Jugendlichen, Motorradgangs und jungen Männern und Frauen an, die mit den Protesten nicht viel am Hut hatten. Laut Aussage eines Bekannten, der wohl einige von ihnen vom Sehen her kannte, handelte es sich dabei um Jugendgangs und Hooligans, die auf Gewalt aus waren. Die Polizei vor Ort war offensichtlich überfordert, die Befehlskette zum Oberkommando der Polizeikräfte funktionierte nicht und die Einsatzgruppenleiter vor wagten nicht, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen.


Bereits mehrfach hatten Anhänger der Silom-Lovers-Group (SLG) an diesem Abend Passanten angepöbelt oder bedroht, die sie aus irgendeinem Grund verdächtigten, Rothemden zu sein, als plötzlich die Situation eskalierte. Eine Gruppe von Männern attackierte mit Holzstöcken und Eisenstangen einen alten, leicht lädierten Pkw, der in Richtung Sala Daeng-Kreuzung fuhr. Der Grund dafür war und ist uns bis heute nicht bekannt, vielleicht, weil der Wagen rot war oder alt oder beides. Die Aufnahme oben zeigt den Wagen, kurz bevor es einem Randalierer gelang, die Fensterscheibe auf der Fahrerseite einzuschlagen. Sofort versuchten mehrere Männer mit Holzstöcken und Eisenstangen dem Fahrer ins Gesicht zu schlagen. Nur dem beherzten Eingreifen einiger freiwilliger Helfer und der Wachen der SLG war es zu verdanken, dass der Fahrer unverletzt (?) entkommen konnte.
Nach diesem Vorfall verlor die Polizei vollkommen die Kontrolle, der Pöbel drängte die Polizisten an die Seite und überrannte die Absperrungen vor der Barrikade der Rothemden.



Als die Anhänger der SLG die Kreuzung erreichten, wurden sie von jenseits der Barrikade mit einem Hagel aus Steinen und Flaschen eingedeckt. Außerdem wurden sie von den UDD-Wachen, die mit Steinschleudern bewaffnet waren, mit Schrauben, Glasmurmeln und Stahlkugeln beschossen. Die Anhänger der SLG erwiderten den Angriff mit Pflastersteinen und anderen Wurfgeschossen.



 Das Bild unten zeigt die mit Wurfgeschossen übersäte Straße.


Gegen 21.52 Uhr versuchte der Mob in der Silom Road ein weiteres Mal, einen Mann zu lynchen, von dem sie glaubten, dass er ein Rothemd sei. Der junge Mann war kurz zuvor von einigen Demonstranten dabei beobachtet worden, wie er aus dem Lager der Rothemden gekommen war. Als der Mann die Silom erreichte, wurde er sofort von den Randalierern angegriffen. Einzig dem massiven Eingreifen der Soldaten ist es zu verdanken, dass der Mann nicht zu Tode geprügelt wurde. Sie feuerten sogar mehrmals in die Luft, als der Mob die Angriffe trotz der Soldaten nicht einstellen wollte. Wie sich später herausstellte (laut Information von einem Passanten, der sich mit den Soldaten unterhalten hatte), handelte es sich bei dem jungen Mann um einen Soldaten in Zivil, der das Lager der Rothemden auskundschaften sollte. Nach diesem Vorfall bekamen die Einsatzkräfte die Lage wieder einigermaßen unter Kontrolle und die Lage beruhigte sich. Es kam an diesem  Abend zu keinen weiteren Zwischenfällen.



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22. April

Die Eskalation der Gewalt

13.40 Uhr - inzwischen fand täglich zwischen 12.00 und 14.00 ein Anti-Rothemden-Protest unter der Hochbahnstation Sala Daeng statt. Zeitweise nahmen bis zu 1.500 Menschen an den friedlichen, von der Silom-Lovers-Group veranstalteten Protestaktionen teil.










Abends jedoch mischten sich wieder gewaltbereite Unruhestifter unter die Demonstranten, und es dauerte nicht lange, bis wieder wüste Drohungen und Beschimpfungen in Richtung Barrikade gebrüllt und Steine und Flaschen ins Rothemdenlager geworfen wurden.
Als wir uns abends gegen 20.00 Uhr der Kreuzung Sala Daeng näherten, hörten wir mehrere Explosionen. Fünf M 79 Granaten waren im Bereich der Hochbahnstation eingeschlagen. Sie waren aus dem von den Rothemden besetzten Gebiet abgefeuert worden, das gilt als sicher. Wer sie allerdings abgefeuert hat, ist bis heute nicht geklärt. Die Regierung und die Armeeführung beschuldigten sofort die UDD. Die Rothemden stritten jedoch jegliche Verantwortung ab und distanzierten sich von den Anschlägen.
http://www.reuters.com/article/2010/04/22/us-thailand-idUSTRE63H06E20100422

Mindestens eine Frau wurde getötet und mehr als 70 Personen wurden bei den fünf Explosionen verletzt.

20.50 Uhr - eine verletzte Frau wird von Soldaten und freiwilligen Helfern zu einem Notarztwagen getragen.



Ohne Unterbrechung trafen Notarztwagen und Ambulanzen aus den umliegenden Krankenhäusern ein.


Der Eingang zu dieser Bank war ein bevorzugter Platz für Beobachter, um bei eskalierender Gewalt in Deckung zu gehen. Auch wir hatten uns dort mehrmals vor den umherfliegenden Steinen und Geschossen in Sicherheit gebracht. Wären wir an diesem Abend 20 Minuten eher am Schauplatz eingetroffen, wären wir vielleicht auch unter den Opfern gewesen.


Zufahrt zum Robinson-Kaufhaus. Die Soldaten hatten den Toten gerade weggebracht. 
Gegen 21.00 Uhr bildete sich vor der Zufahrt des Parkhauses der Robinson-Shopping-Mall (existiert heute nicht mehr) eine Menschentraube und wir hörten lautes Geschrei. Eine Gruppe von 10 bis 12 Männern schlug mit Eisenstangen und Holzlatten auf einen hilflosen, am Boden liegenden Motorradtaxi-Fahrer ein, der ein "Truth Today"-Halstuch der Rothemden trug. Ich war dermaßen geschockt über dieses hemmungslos brutale Verhalten, dass ich vergaß, Fotos zu machen und stattdessen  versuchte (ohne groß vorher darüber nachzudenken was ich da tue) die neben mir stehenden Männer vom Prügeln abzuhalten und sie zu beschwichtigen (ja, ich weiß, es war dumm und falsch so zu handeln, da ich unter anderem den Neutralitätskodex von Journalisten und Fotografen in Krisengebieten verletzt habe - aber manchmal kann man halt nicht anders). Sofort wollten zwei der Schläger auf mich losgehen, und ich habe es nur dem beherzten Eingreifen der Wachen der Silom-Lovers-Group zu verdanken, dass ich ungeschoren davon kam. Später, als ich dabei war mich von dem Schock zu erholen und das gerade Erlebte zu verarbeiten, kam einer der beiden Angreifer auf mich zu und entschuldigte sich bei mir. Ich konnte nur mit mai pen rai, mai pen rai (macht nichts, ist schon gut) antworten.
Als die Soldaten schließlich dazwischen gingen, bewegte sich der Motorradtaxi-Fahrer nicht mehr. Ein Soldat untersuchte den Mann und schüttelte nur den Kopf, dann trugen mehrere Soldaten den leblosen Körper in den abgesperrten Bereich des Parkhauses. Da den ganzen Abend lang kein Krankenwagen vorfuhr oder ein anderes Fahrzeug das Parkhaus verließ, müssen wir davon ausgehen, dass der junge Motorradtaxi-Fahrer den Abend nicht überlebt hat.
In den englischsprachigen Tageszeitungen in Thailand wurden diese Gewaltexzesse während der Anti-Rothemden-Proteste mit keinem Wort erwähnt.



Ein japanischer Kameramann wurde von einer Stahlkugel am Bein getroffen, war aber nach ca. 30 Minuten bereits wieder dabei, Filmaufnahmen zu machen.

22.22 Uhr - Die Nerven der Soldaten lagen nach dem Granat-Angriff blank. Als jemand eine angeblich verdächtige Bewegung in einem offen stehenden Fenster gesehen hatte, nahmen sie das Fenster sofort mit ihrem M16-Gewehren unter Beschuss. Ob dort wirklich jemand war, ist nur schwer zu sagen, denn der Raum hinter dem Fenster lag im Dunkeln.


Als die Randalierer erneut die Barrikade attackierten, griff die Polizei endlich ein; die Beamten sperrten die Fahrbahnen in Richtung Kreuzung ab und drängten die Hooligans zurück. Letztere warfen daraufhin der Polizei vor, mit den Rothemden zu kollaborieren und attackierten die Polizisten mit Steinen, Flaschen und Holzlatten. Um 23.41 Uhr gab die Einsatzleitung der Polizei den Befehl, gegen die Chaoten mit Gewalt vorzugehen und die Proteste der Randalierer zu beenden.






Der Mob flieht vor den heranstürmenden Polizisten.




Nach diesem Abend beruhigte sich die Situation zunächst wieder und es kam vorerst zu keinen weiteren Gewaltexzessen entlang der Barrikade und in der Silom Road.


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23. April

"A battle of words"


Auf den Schildern der SLG- Demonstranten steht zu lesen: Haut ab, Terroristen! Rothemden sind Mörder!

Auf dem Transparent der Rothemden steht: (wir sind) keine Terroristen, (wir sind) nicht gewalttätig.
                                                                  (wir sind) nur friedlich (und wollen) Demokratie







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25. April

Im Camp der Rothemden





Dosenwerfen auf Abhisits Konterfei.



UDD-Anhänger vor der Bühne an der Ratchaprasong-Kreuzung.







UDD-Wachen drängten wütende Anhänger ab, die auf einen am Boden liegenden Mann eintraten. Angeblich sei er ein Spion der Gelbhemden gewesen. Die Sicherheitsleute brachten ihn zunächst in den abgesperrten Bereich des Media-Centers hinter der Bühne und von dort fuhren sie ihn in einem Pkw aus dem Lager heraus. Ähnliche Übergriffe auf angebliche Gelbhemden oder "Spione", wie uns eine ältere Frau "aufklärte", konnten wir mehrfach beobachten. Unter anderem am Skywalk gegenüber der Filiale einer Hamburger-Kette im Amarin Plaza.





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26.April


Gegendemonstration der Multi-Coloured-Shirts (die Anti-UDD Bewegung der Ultra-Royalisten) am Siegesdenkmal. Aber statt der erhofften 10.000 Teilnehmer kamen nur weniger als 1.000 Demonstranten.





Nach den Gewaltexzessen der vorherigen Tage wurden die Einsatzkräfte der Polizei mit neuer Schutzkleidung ausgestattet.

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28. - 30. April


Impressionen



























Die Barrikade.



Straßensperre in der Silom.



Alle Fahrzeuge, die sich in Richtung des Camps der Rothemden bewegten, wurden nach Werkzeugen oder Waffen untersucht.


Ein Wachposten an der Kreuzung Silom Road/Narathiwat Road.


Die Bars und Bordelle in der Pat Pong blieben an diesen Tagen leer.

















































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Ende des vierten Teils.

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Die Rothemden-Proteste - Teil 1: Prolog und März 2010 - Phan Fa-Brücke
Die Rothemden-Proteste - Teil 2: 01. - 17. April - die gescheiterte Niederschlagung 
Die Rothemden-Proteste - Teil 3: 18. - 20. April - die Barrikade und der Aufmarsch der Sicherheitskräfte


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Kommentare:

  1. Dieser Bericht jagt mir einen kalten Schauer über den Rücken! Sag mir, wie man das aushält, wenn man mit eigenen Augen sehen muss, dass jemand zu Tode geprügelt wird. Ich weiß nicht, wie ich das verarbeiten könnte. Auch wenn man sich von dem Schrecken "erholt" hat, solche Bilder lassen einem doch nicht mehr los! Irgendwo tief im Unterbewusstsein sind sie doch immer noch verbuddelt!
    Grüße
    Calendula

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    1. Wie wir man damit fertig? Schwer! Aber man muss die Fähigkeit haben, solche Dinge verarbeiten zu können. Wenn man das nicht kann, darf man um der eigenen, mentalen Gesundheit willen, nicht solche Berufe (Soldat, Polizist, Journalist, Rettungshelfer, etc.) ausüben. In dem Moment, indem es passiert, bist du sowieso vollgepumpt mit Adrenalin und der Körper und Geist laufen auf Hochtouren. Realisation und Schock kommen erst später. Klar, wenn man die Fotos wieder sieht oder darüber spricht oder schreibt, kommt alles wieder hoch, dann schießen einem die Tränen in die Augen und/oder die Hände zittern, aber das ist normal, aber das vergeht dann auch wieder.
      LG
      Holger

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    2. Ja, das stimmt schon, was du schreibst. Aber hier ist man inzwischen auch dazu übergegangen, Rettungshelfern, Polizisten etc. nach so schrecklichen Erlebnissen psychologische Hilfe zu bieten. Einfach um zu verhindern, dass irgendwann solche Traumata sie "einholen" und zu Erkrankungen führen. Wenn ich nur an meine Großeltern denke, die im Krieg Schreckliches erlebt haben. Mein Großvater, der sich nach außen hin immer als sehr "tough" gab, hatte mit über 80 Jahren immer noch Albträume. Er hat mir damals immer mal kleine Erlebnisse erzählt, die ich als ganz furchtbar empfand - wobei ich sicher bin, dass er mir das meiste NICHT erzählt hat.

      Also pass auf dich auf! :-)
      LG Calendula

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    3. Psychologische Hilfe gibt es (wenn überhaupt) nur für Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und der großen Tageszeitungen. Aber 80% der heutigen Journalisten sind freie Mitarbeiter und sind nicht mal einen Nachruf wert, wenn es sie erwischt (mussten wir leider selbst miterleben, als eine befreundete Journalistin in Afghanistan getötet wurde). Wir müssen auf uns selbst aufpassen, und wenn wir merken es geht nicht mehr, die Notbremse ziehen.
      Vielen Dank noch für deinen netten Kommentar!

      Holger

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  2. Faszination Gewalt. Es ist immer wieder erstaunlich wie friedliche Aktionen und Demonstrationen gewaltig (im wahrsten Sinne des Wortes) eskalieren können. Solche Schwankungen von friedlich bin hin zu bedrohlich kenne ich leider auch von Berichten aus der arabischen Welt.
    Da du in deinem Bericht sehr persönlich geworden bist erlaube ich mir den Gedanken bezüglich des Neutralitätskodexes des Journalisten. Ja, ein Journalist sollte neutral sein (ist wohl nur bis zu einem gewissen Grad möglich) und muss sein Leben schützen. Aber dabei zuzusehen wie jemand zu Tode geprügelt wird und mit der Kamera drauf halten. Kann man das? Macht das einen guten Journalisten und Kameramenschen aus? Oder verkommt man da zu "Bild"-Niveau?
    Dein Verhalten kann ich verstehen, es ist menschlich, wenn auch unüberlegt und leichtsinnig.
    Ich halte es jetzt mal so wie alle Welt meinem Lieblingskorrespondenten Karim El-Gawhary bei FB immer wieder schreibt: Pass auf dich auf. Und das meine ich nicht nur körperlich.

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    1. Die Situation bezüglich der Gewalt ist hier noch etwas anders gelagert als in der arabischen Welt. Die Thais unterdrücken im Alltag mehr oder weniger alle negativen Emotionen. Konflikte oder Probleme werden totgeschwiegen und es gibt daher keine Kultur der Diskussion oder inhaltlichen Auseinandersetzung. Auch haben die Thais nie gelernt, mit negativen Erfahrungen umzugehen. Daher werden bis heute mehr oder weniger viele Probleme mit Gewalt, bis hin zum Mord, gelöst (z.B. in der Geschäftswelt fällt man als erfolgreicher Konkurrent sehr schnell einem sogenannten "Business Accident" zum Opfer oder deine Bar, dein Geschäft, etc. brennt des nachts mal eben ab). Jemanden in der Öffentlichkeit zu beschimpfen oder zu beleidigen kann sehr schnell in einem tödlichen Schuss oder Messerstich enden. Vor wenigen Tagen machte ein junger Mann in einen Straßen-Restaurant eine witzige Bemerkung über das Essen am Nachbartisch, wenige Minuten später stirbt durch mehrere Messerstiche. Ein junger Mann wird wegen Faulheit und Arbeitsverweigerung entlassen, der bricht dann aus Wut in das Haus seines Chefs ein, vergewaltigt aus Rache dessen Tochter und schneidet ihr die Kehle durch. Warum? Weil man jemanden nicht vor der gesamten Belegschaft runtermacht und wegen schlechten Verhaltens entlässt, sondern man wird entlassen weil der Wahrsager es so gesagt hat, die Firma umstrukturiert wird oder weil man denkt, die Aufgabe sei nicht gut genug für ihn. Und so was passiert hier täglich.
      Was die Neutralität betrifft, sie ist oft der einzige Schutz, den wir haben. Versuchst du jemanden zu helfen, beziehst du in den Augen der kämpfenden Gruppierungen automatisch Position für eine der Konfliktparteien und wirst damit zum Angriffsziel. Und du gefährdest nicht nur dich selbst, sondern ziehst auch die anderen Anwesenden Journalisten/Fotografen hinein. Ja, im Prinzip muss man die Kamera drauf halten und versuchen, in diesem Moment die eigenen Emotionen auszuschalten. Oft sind diese Dokumente der einzige Beweis, dass diese Verbrechen stattgefunden haben. Der Schock kommt später, wenn sich die Situation beruhigt hat und der Adrenalinspiegel im Blut sinkt. Ich habe dann Kollegen am ganzen Körper zittern sehen, andere konnten ihre Tränen kaum zurückhalten. Und was das Aufpassen betrifft, vielen Dank für deine lieben Worte, aber keine Sorge, ich passe schon auf mich auf (oder versuche es zumindest). Wie sagte ein sehr netter Kollege während der Niederschlagung zu mir: "Sei vorsichtig, kein Foto ist es wert dafür zu sterben!"

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  3. Ja unsere Kultur und das Individuum ist schon etwas ganz besonderes. Wir haben glücklicherweise einen anderen Ehrbegriff.
    Allerdings haben die Ägypter, wie die Thailänder, ebenfalls keine Streitkultur, auch ein Thema aus zu diskutieren ist dort nicht bekannt.
    In Ägypten (zumindest in Luxor) sind Blutfehden zur Zeit wieder sehr trendy. Anfang März wurde einem Bauern am helllichten Tage der Kopf abgeschlagen wegen irgendeiner Geschichte die circa 20 Jahre zurückliegt. Fand man auf meine Frage hin völlig legitim mit Verweis auf die Traditionen.
    Aktuell weiß ich von einer Fehde zwischen zwei Familien da sich ein Mann beleidigt fühlte. Bisher sind alle Vermittlungsversuche fehlgeschlagen. Selbstverständlich werden Frauen nicht involviert, das machen wahre Männer unter sich aus. Aber wenn du als solcher zur falschen Zeit am falschen Ort bist ...
    Bisher gab es wohl ein paar Schussverletzungen, glücklicherweise haben die Täter nicht gut gezielt. Ach so, Polizei sucht man derzeit vergebens.
    Sind die Unterschiede jetzt so groß? Das Ergebnis zumindest ist ähnlich.

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