Montag, 11. März 2013

Run For Freedom - Deutsche Version

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Der Lauf begann um 16.00 Uhr am Demokratie-Denkmal

Am 10.März 2013 veranstalteten die KwiRasdr Group (welche ebenfalls an der art-for-freedom-austellung teilnahm), Mitglieder des 112 Family Network (auf Facebook: 112 Family Network) und andere Gruppen den RUN FOR FREEDOM. Mit diesem Lauf beabsichtigten die Veranstalter die Öffentlichkeit über den Missbrauch des Artikels 112 (Majestätsbleidigung) zu informieren und auf die Situation der politischen Gefangenen in Thailand (die es angeblich, wenn man den Politikern diese Landes glauben möchte, gar nicht gibt und deshalb in 2011 ein eigenes Gefängnis bekommen haben!!!) aufmerksam zu machen.

Einige der Teilnehmer trugen Häftlingskleidung


Ca. 80 bis 100 Läufer nahmen an dem Rennen teil. Viele trugen die in Thailand übliche Häftlingskleidung und Papiermasken mit den Gesichtern politischer Gefangener. Einige hatten sich außerdem die Namen der Gefangenen auf den Rücken geheftet.
Bis zu 200 Unterstützer begleiteten die Läufer auf dem Fahrrad, auf Motorrädern oder im Auto. Es waren dieses Mal erheblich mehr Teilnehmer und Supporter als sonst üblich bei solchen Veranstaltungen und kann als Erfolg für die Organisatoren gewertet werden.





Dieser Läufer startete für Somyot.

Während wir auf den Beginn des Rennens warteten, trafen drei Krankenwagen mit Blaulicht und Sirenengeheul (zur Begrüßung) ein. Sie sollten für eventuelle Notfälle während des Laufes bereitstehen. Einige der Teilnehmer empfingen die Rettungswagen mit dem Ruf: "Oneni mai mii thaai laeo" (heute sind wir noch nicht tot) als Anspielung auf einen Ausruf, den wir oft während der Red Shirt Proteste nach dem 19.Mai 2010 gehört haben: "Ti nii mii khun thaai" (Hier sind Menschen gestorben).


Andere Schilder trugen Aufschriften in Koreanisch, Französisch, Spanisch,
Vietnamesisch und Malaysisch.




Das Rennen startete am Demokratie-Denkmal. Von dort ging es zunächst die Rachadamnoen Road runter, vorbei an der Thammasat Universität bis zum Haupteingang des königlichen Palastes am Lumpini Park. Hier wurde der erste Zwischenstopp eingelegt und Mitglieder des Komitees verlasen kurze Statements und Forderungen. Danach, als dann auch die letzten Nachzügler eingetroffen waren (insbesondere ältere Teilnehmer hatten Probleme mit der Hitze) ging es weiter zum Obersten Gerichtshof. Hier gab es den nächsten Zwischenstopp bei dem ebenfalls Reden gehalten und Vorwürfe gegen die erhoben wurden. Danach ging es weiter zur Anantha Samakhon Throne Hall, vorbei am militärischen Oberkommando in der Rachadamnoen Nok Road, und von dort schließlich zurück zum Ausgangspunkt und Ziel des Laufes am Monument of Democracy.


Die Läufer starteten am Demokratie-Denkmal...


...liefen die Rachadamnoen Road runter in Richtung Sanam Luang und vor bei an der Thammasat Universität...






Zahlreiche Teilnehmer fuhren dann doch lieber mit dem Fahrrad als die Strecke bei der Hitze zu Fuß zu absolvieren.


...bis zum ersten Zwischenstopp gegenüber dem Haupteingang des königlichen Palastes.





Von dort ging es dann weiter bis zum...


...Obersten Gerichtshof.

Die Reaktionen der Zuschauer am Straßenrand fiel recht unterschiedlich aus. Sie reichten von genervt über die andauernden Proteste, über wütend und ablehnend (wegen der Kritik am Artikel 112) bis zu begeistertem Applaus. Die Fahrer von drei Bussen, die Militärpersonal beförderten, feuerten die Läufer mit mehrfachem Hupen an. Einige der Soldaten winkten den Teilnehmern zu.


Dieser Herr feuerte die Läufer an der Rachadamnoen Road begeistert an.


Von links nach rechts: Somyot (politischer Gefangener) , Surachai (politischer Gefangener) , Generalmajor Khattiya Sawasdipol (ermordet Mai 2010)

Kommentare:

  1. Danke für diesen Bericht. Es interessant, dass sich doch so öffentlich Widerstand regt. Wer sind die Initiatoren dieses doch friedlichen Protests? Zu welcher Bevölkerungsschicht würdest du sie hauptsächlich rechnen? Künstler, wie du ja schon berichtet hast - aber sind da auch Akademiker zu finden, Unternehmer, Journalisten etc?

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  2. Puh, schwieriges Thema, da kompliziert und sehr umfangreich. Die Free-All-Political-Prisoners-Bewegung besteht aus kleinen und kleinsten Gruppierungen und Splittergruppen der RED SHIRT-BEWEGUNG. Die größte Gruppe der Red Shirts ist die Thaksin Shinawatra (ehemaliger Premierminister, Populist, Unternehmer, Milliardär und Polizeioffizier, der 2006 aus dem Amt geputscht wurde) nahe stehende UDD (United front for Democracy against Dictaorship). Sie rekrutiert sich überwiegend aus der Unterschicht (Tagelöhner, Bauer, Fabrikarbeiter, Straßenhändler, etc., die bis heute von der Teilen der Oberschicht wie Leibeigene betrachtet und behandelt werden). Aber natürlich auch aus Menschen der Mittel und Oberschicht, die gehofft hatten, Thaksin könne die alten, verkrusteten Strukturen aufbrechen.
    Die oben genannten Gruppen (die sich größtenteils von Thaksin und der UDD distanzieren), nach denen du fragst, sind unter anderem:
    das 112 Family Network - ein Netzwerk von Angehörigen und Freunden der Opfer des Massakers von 1992, der brutalen Niederschlagungen von April und Mai 2010 und der politischen Gefangenen. Sie engagieren sich für die Reform oder die Abschaffung des Paragrafen 112 (Majestätsbeleidigung)und eine Justizreform.
    die Khana Nitirat Gruppe - überwiegend Professoren der Thammasat Universität, die eine Reform des Artikels 112 und er demokratischen Strukturen fordern.
    die Red Sunday - Bewegung: die eine Schulreform fordert und Lehrer und Aktivisten in die Schulen des Landes schickt, um den Kindern die Grundbegriffe demokratischen Denkens und Handelns zu vermitteln.
    Die 24 of July Democracy Gruppe - engagiert sich für die Freilassung der politischen Gefangenen, die Abschaffung von 112 und eine generelle Reform der Justiz.
    Dann sind da noch Gewerkschafter, Autoren, Publizistn, Künstler und diverse Aktivisten. Aber auch hier findet sich natürlich bei den Anhängern der gesamte Querschnitt der thailändischen Gesellschaft.
    Ich hoffe, ich konnte dir einen klitzekleinen Einblick gewähren.

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    1. Ja, danke! Es ist ja eigentlich gut, wenn aus verschiedenen Richtungen das Engagement kommt. Solange diese Gruppen am gleichen Strang ziehen und sich nicht noch gegenseitig als "Konkurrenz" sehen. Das könnte im Chaos enden.

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    2. Leider geht es bereits in die Richtung, die du oben andeutest. Die UDD und die anderen Gruppen sind nicht unbedingt Freunde. Sie stehen sich teilweise sogar feindlich gegenueber. Insbesondere einige Anhaenger der UDD werden nicht meuhde, Luegen und Geruechte ueber andere Gruppen zu verbreiten, z.B. Sombat von der Red Sunday Gruppe hat ziemlich darunter zu leiden. Aehnliches gilt fuer den Verleger Somyot Prueksakasemsuk, der gerade zu elf Jahren Gefaengnis verurteilt wurde. Sie (z.B. Somyot) seien kaeuflich oder wuerden ihre Helfer sexuell missbrauchen (z.B. Sombat). Alles Muell, sie (die Anhaenger der UDD) sind nur sauer auf diese Leute, weil diese die UDD und ihre Politik kritisiert haben. Aber solange sie einen gemeinsamen Feind haben (die Konservativen Kraefte in diesem Land) muessen wir erstmal kein Chaos von dieser Seite befuerchten.

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    3. Das hört sich für mich aber irgendwie doch nach einem Pulverfass an, bei dem die Lunte allerdings noch lange ist.
      Denn wenn es diesen gemeinsamen Feind nicht mehr gibt, geht es nur noch um Macht und Pfründe. Wie immer in der Menschheitsgeschichte.

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  3. Ganz so schlimm wird es nicht werden, weil die Kräfte zu ungleich verteilt sind. Die UDD kann in kürzester Zeit mehrere 10.000 oder 100.000 Anhänger mobilisieren. Die anderen alle zusammen vielleicht ein paar tausend. Mehr Sorge bereitet mir die Polarisierung innerhalb der Gesellschaft zwischen den konservativen Royalisten, eine Allianz aus sogenannten Gelb-, Blau und Multi-Coloured-hemden, von denen der ultra rechte Flügel extrem gewaltbereit ist und der Gegenseite, die Rothemden und deren radikaler Flügel, die sogenannten "men in black" (paramilitärische Einheiten mit leichter Bewaffnung, z.B. M16 oder AK47 Sturmgewehren und M79 Granatwerfern).
    Eine Eigenart (darauf kann ich nur ganz kurz eingehen, sonst müsste ich einen 100-seitigen Aufsatz schreiben) der thailändischen Gesellschaft ist, dass man niemals kritisiert oder negative Gefühle (Trauer, Wut, Hass, Zorn, Ärger, etc.)zeigt. Wenn man es doch tut, gilt dies als Gesichtsverlust. Daher gibt es auch keine wirklichen Diskussionen und keinen Austausch von Argumenten. Niemand ist bereit auf den anderen zu zugehen oder ihm zuzuhören. Da stauen sich dann Frust und negative Emotionen über längere Zeiten auf, die sich dann irgendwann explosionsartig und fast immer in extremer Gewalt entladen. Was das für ein Gesellschaft bedeutet, die sich immer weiter polarisiert, kannst du dir dann ja wohl vorstellen. Es heißt nicht umsonst in einem Sprichwort: Wenn der Thai aufhört zu lachen solltest du anfangen zu laufen!

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